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Gesundheitspartys für Menschen mit Migrationshintergrund – ein Zwischenstand

Eine Idee lernt laufen

Auch Menschen mit Migrationshintergrund können sich gegenseitig bei Gesundheitsfragen Tipps und Orientierung geben, um sich im deutschen Gesundheitssystem zurecht zu finden. Und sie können einen gesunden Lebensstil erproben, indem sie miteinander gesunde Mahlzeiten zubereiten, sich zu Bewegungsübungen treffen und Entspannungsmethoden kennen lernen. Am besten geht das in Gruppen, in ihren Communities und kulturellen Gemeinschaften, mit Anregungen durch fachlich informierte und vernetzte Personen aus ihren Gemeinschaften, und mit viel Austausch und neuen Erfahrungen untereinander. Die Treffen mit Gleichgesinnten und Interessierten sind umso erfolgversprechender, je niedrigschwelliger sie in vertrauten, nahen Räumen, mit einfachen Aktivitäten und allgemein interessierenden Themen angelegt werden.

Diese Konzeptidee beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen in einem Projekt des Gesundheitsministeriums RLP und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in RLP e.V., in welchem Menschen mit Migrationshintergrund zu Gesundheitsmediatoren geschult wurden. Die entstandenen Gesundheitsnetzwerke an sechs Standorten boten sich an, dass Mediatorinnen und Mediatoren auf Migranten bzw. ihre herkunftskulturellen Gruppen zugehen. Auch die Vermittlung über Integrationsbeauftragte von Kommunen oder über andere Institutionen und geeignete Personen  in der Arbeit mit Migranten erschien wichtig, um die Zielgruppen zu erreichen und um eine verbindliche vertragliche Grundlage für eine Förderung von Veranstaltern vor Ort zu haben. Die Klärung vertraglicher, versicherungs- und förderungsrechtlicher Fragen bedurfte einiger Zeit, bis zum Dezember 2013 nach Abstimmung mit Integrationsbeauftragten und weiteren Partnern drei erste Kooperationsverträge verabredet werden konnten. Voraus ging auch eine inhaltliche Präzisierung des Konzepts: so sollten z.B. die Veranstaltungen zwar ähnlich wie bei einem bekannten Kunststoffgeschirrhersteller einen Schneeballeffekt haben, indem die einladenden Gastgeber der Party den Staffelstab an einen Gast für die nächste Einladung weitergeben, aber die Treffen sollten nicht nur in Privatwohnungen stattfinden und die Einladungen nicht zu breit, z.B. über facebook, gestreut werden – wichtig bleibt ein vertrauter Rahmen mit einer überschaubaren Gruppe von Menschen, die sich kennen oder geschützt kennen lernen können.

Zwei Wege führen zum Aufbau des Projekts

Zu den Themen gesunde Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung soll das praktische Erproben im Mittelpunkt stehen, flankiert mit fachlichem Input, Vorträgen und Gesprächen. Hierzu wurde das lebensführungsbezogene Konzept bereits früh mit dem Adipositasnetzwerk RLP entwickelt. Seine guten Kontakte zum Arzneimittelfonds des Verbands der Chemischen Industrie, der bereits an einem gemeinsamen Fachtag im Dezember 2012 adipositaspräventive Gruppen und Initiativen auszeichnete, führten zu einer inhaltlichen und finanziellen Kooperation des ANW mit dem Fonds für 2013 und 2014.

Bei der Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des ANW im August 2013 begrüßte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Alexander Schweitzer das Vorhaben der Gesundheitspartys und überreichte den Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren aus der letzten Schulungsstaffel des LZG-Projekts in Bad Kreuznach ihre Zertifikate. Als Kooperationspartnerin stellte die LZG einen Projektantrag beim Gesundheitsministerium für die jahresübergreifende Durchführung der Veranstaltungen in 2013 und 2014. Die LZG entwickelte dann federführend die Finanzierung, die Verträge und kontaktierte nach der Projektbewilligung Ende des Jahres weitere Partner in den sechs Standorten mit aufgebauten Gesundheitsnetzwerken.

Beginn der Veranstaltungsstaffeln und ein erfolgreicher Auftakt

Ende 2013 konnten die ersten beiden vertraglich fundierten Gesundheitspartys beginnen, niedrigschwellig in der Form und abgesichert mit Hilfe örtlicher Institutionen.

In Kaiserslautern trafen sich am 21.11. und 1.12.2013 jeweils 10 Erwachsene und 2 Kinder aus einem Bekannten- und Verwandtenkreis. Eine Mediatorin informierte zum Thema Prävention und Diabetes II. Es wurde gemeinsam nach gesunden und kostengünstigen Kriterien gekocht und sich darüber ausgetauscht.

In Bad Kreuznach fand der Koordinator der LZG mit dem evangelischen Ausländerpfarramt und seinem in der interkulturellen Arbeit erfahrenen Pfarrer Siggi Pick einen gut vernetzten Partner, der zusagte, fünf Gesundheitspartys und eine Auftaktveranstaltung zu organisieren – so die Anzahl geplanter Veranstaltungen pro Standort. Die ersten drei Partys führten zwei Mediatorinnen mit zwölf afghanischen Frauen zu Ernährung, Stress-Bewältigung und Bewegung durch. Da das Angebot gut ankam, folgen nicht nur die zwei weiteren Partys, es ist auch eine weitere Staffel, z.B. mit einer anderen Gruppe, vorgesehen.

Bei einer Auftakt- oder Zwischentaktveranstaltung am 23. Mai im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Kreuznach wurden die bisherigen und die geplanten Gesundheitspartys und Orientierungshilfen von neun Mediatorinnen und Mediatoren vor über hundert Gästen vorgestellt. Landrat Franz Josef Diel und Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer dankten für das Projekt der Kooperationspartner und für das Engagement für die vielen Migrantengruppen in Bad Kreuznach, die Pfarrer Pick über seine Sprach- und Integrationskurse und interkulturellen Angebote einbeziehen konnte. Die eingewanderten Gruppen aus Somalia, Afghanistan, der Türkei, dem Iran u.a. und Fachkräfte aus der Integrationsarbeit erhielten Einblicke in die Angebote und sollen sie weiter tragen. In seinem Grußwort präsentierte Jupp Arldt als scheidender Geschäftsführer der LZG und Vorsitzender des Adipositasnetzwerks das Kooperationsprojekt als alltagsnahen Ansatz einer lebensstilbezogenen Gesundheitsförderung „auf Augenhöhe“. So liegt eine Möglichkeit der Adipositasprävention in der Ermutigung zu einem frühen Einüben von gesunder Ernährung und mehr Bewegung in der Familie und in sozialer und kultureller Gemeinschaft. (Siehe auch die fotografischen Einblicke in die Gesundheitspartys und die Auftaktveranstaltung).

 

Sechs Veranstaltungen fanden im April und Mai über Netzwerkkontakte in Alzey statt. Hier übernahm das Gesundheitsamt des Kreises Alzey-Worms die Rolle des Veranstalters und eine Türkin begleitete türkisch-islamische Frauen zu Bewegung und Entspannung. Die teilnehmenden Frauen zwischen 15 und 55 Jahren bewerteten das Angebot als gut.  Auch der altersübergreifende Austausch miteinander hatte einen wichtigen Stellenwert bei den Treffen.

Weitere Veranstaltungen werden in Mainz und Bendorf für September und Oktober vorbereitet, während die Kontaktversuche zu Migrantinnen und Migranten und zu Organisationen im Netzwerkstandort Haßloch, unter anderem aufgrund der informellen, stark personenabhängigen örtlichen Netzwerkstruktur, bisher nicht zu verbindlichen Absprachen führten. In Mainz werden die Gesundheitspartys mit älteren Migrantinnen und Migranten aus einer arbeitsvorbereitenden Maßnahme von INBI (Institut zur Förderung von Bildung und Integration) durchgeführt, unter Nutzung der Küche des Neustadtprojekts von Arbeit und Leben, ebenfalls erfahren in der Arbeit mit Einwanderern. Dieses breite Netz ermöglicht eine gute Integration des Projekts in vorhandene Strukturen von Organisationen und stärkt zugleich niedrigschwellige und neue Angebotsformen zur Einbeziehung von Gesundheitsthemen. Die Auftaktveranstaltung für Mainz findet am  17. Oktober statt, mit Hilfe des Integrationsbeauftragten der Stadt im Mainzer Rathaus, mit einem Ernährungsvortrag durch Verbraucherzentrale RLP und Adipositasnetzwerk RLP und anschließendem, von Mediatorinnen vorbereitetem Buffet.

Ein Zwischenfazit mit Perspektive

Die ersten 13 Gesundheitspartys kommen mit ihrem erprobenden und austauschenden Ansatz, z.B. gemeinsamen Kochen, Fitnessübungen in einem geschützten Raum, leichten Entspannungsmethoden mit richtigem Atmen bis zum gemeinsamen Erzählen von Einwanderungserfahrungen und Orientierungswegen im deutschen Verwaltungs- und Gesundheits“dschungel“ gut an. Kleine Informationsblöcke zu den Themen und viel Raum für Gespräche, Lachen und auch Traurigkeit beim Einbringen eigener Probleme und Gefühle erhöhen offenbar den Erfahrungswert und das Zusammenfinden über die einzelnen Treffen hinweg. Feste Räume, die mehrere kennen oder häufiger aufsuchen, haben sich dabei als hilfreicher erwiesen als private Räume.

Hierzu trägt ein verbindlicher institutioneller Rahmen bei, indem eine – möglichst in der Integrationsarbeit erfahrene – Organisation wie eine Kirchengemeinde, ein Gesundheitsamt oder ein sozialer Träger, Migrationsfachdienst die örtlichen Kontakte mit Mediatorinnen und Mediatoren nutzt, um Migranten zu erreichen und Werbung zu machen, Räume und Kochgelegenheiten oder Bewegungsgeräte bereit zu stellen oder über andere zu organisieren. Die Mediatorinnen und Mediatoren können mit Menschen verschiedener oder ihrer eigenen Kulturkreise einen persönlichen Kontakt aufbauen und wichtige Gesundheitsinformationen kultursensibel weiter geben. Dies ist in den überwiegend informellen Kontaktnetzen von Menschen mit Migrationshintergrund und ihrer jeweiligen kulturellen Abgrenzungen nicht immer einfach und braucht Zeit. Genutzt werden einerseits bestehende Kontakte z.B. über Sprach- oder berufsvorbereitende Kurse, das Anknüpfen an vorhandene Strukturen und Zugänge. Andererseits dienen vor allem offene Angebote dazu, neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer z.B. aus der Verwandt- und Bekanntschaft zu gewinnen, damit es dann wieder zu einem Prozess zunehmenden Vertrauens, Bindung und kontinuierlicher Teilnahme kommt. Die weiteren Angebote werden zu den ersten Erfahrungen neue Eindrücke und Erkenntnisse hinzu bringen, so dass man gelingende Bedingungen und Formen der Gesundheitspartys noch konkretisieren kann.

Im kommunalen Gemeinwesen und den Gemeinschaften der Migranten führen die Angebote und deren Vernetztheit mit wichtigen Akteuren wie den Mediatorinnen und Mediatoren und örtlichen Durchführungspartnern zu einer verstärkten öffentlichen Wahrnehmung des Querschnittziels Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung. Wird Gesundheit breiter kommuniziert, so ein Projektziel und eine Hoffnung, wird am Ende auch das ein oder andere ähnliche Angebot von sozialen, bildungs- und gesundheitsbezogenen Trägern und Organisationen selbstständig gemacht. Eine Chance dafür zeigt sich bei den z.T. breit vernetzten Mitwirkenden vor Ort und ihrem Engagement.