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Teufelskreis Übergewicht und Depressionen

„Wenn es mir schlecht geht, nehme ich zu. Und wenn ich zunehme, dann geht es mir schlecht.“ Das sagt Annette. Probleme und Stress - wie zum Beispiel gerade der neue Chef im Büro - führen bei der 30-jährigen Sekretärin zu regelrechten Heißhungerattacken. „Ich bin ständig am Essen. Zwischen den Mahlzeiten mache ich mir Käsebrote, ich esse viel mehr Schokolade, und abends sitze ich vor dem Fernseher und kann nicht von den Chips lassen.“ Die Folgen zeigen sich schnell auf der Waage - der klassische Kummerspeck. Und von dem wird Annette natürlich auch nicht glücklicher.

Nicht nur Annette, viele Menschen kennen das, sie essen, wenn sie Probleme haben. Sie fressen ihren Kummer und ihre Sorgen regelrecht in sich hinein. Davon nehmen sie zu. Nicht wenige werden davon auch richtig seelisch krank: Studien zufolge treten Depressionen bei Übergewichtigen drei bis vier Mal häufiger auf als bei Normalgewichtigen.

Kein Wunder - denn wer dick ist, hat es nicht leicht. Das gilt besonders für übergewichtige Frauen, sie erkranken häufiger an Depressionen als übergewichtige Männer. Vermutlich ist es der Druck, gängigen Schönheitsidealen nicht zu entsprechen, der für Frauen noch einmal größer ist. Doch auch dicke Männer müssen mit Stigmatisierung und Diskriminierung erst einmal zurechtkommen: Nicht jeder verkraftet es, dauernd spöttischen Bemerkungen ausgesetzt zu sein. Das negative Selbstbild, das Dicke von sich haben, schwächt ihr Selbstbewusstsein zusätzlich. Mit jedem fehlgeschlagenen Diätversuch nimmt das Gefühl zu, ein Versager zu sein. Das erhöht weiter das Risiko, depressiv zu werden. Ein weiterer Faktor ist, dass gerade die umstrittenen Hungerdiäten für schlechte Stimmung sorgen. Für Menschen, die Essen als Mittel nutzen, um sich besser zu fühlen, gilt das besonders.

Die beiden Volksleiden Depression und Übergewicht können also zusammen hängen. Es ist eine Wechselwirkung, sagen die Wissenschaftler: Menschen werden übergewichtig, weil sie depressiv sind - und umgekehrt. Sie werden depressiv, weil sie übergewichtig sind. Viele Antidepressiva haben zudem die unangenehme Nebenwirkung, Gewichtszunahmen zu fördern. Das Übergewicht kann also auch durch die Behandlung der Depression entstehen. Ohne professionelle Hilfe ist es da kaum möglich, diesem Teufelskreis zu entkommen - es ist keine Frage der persönlichen Willenskraft.

Stress zum Beispiel hat Folgen für den Stoffwechsel. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass hohe Spiegel des Stresshormons Cortisol den Stoffwechsel dahingehend beeinflussen, dass der Körper bereitwilliger Fett speichert. Die Dauerlast der Depression führt zu erheblichem Stress, sie lässt denCortisolspiegel steigen und damit auch das Risiko, übergewichtig zu werden.

Wer also immer mehr an Gewicht zunimmt, sollte sich Gedanken über die Ursachen machen und nicht gleich kopflos irgendeine Hungerkur starten. Stress abzubauen kann ein Weg sein, den Hungerattacken zu entkommen. Wer aber den Verdacht hat, unter Depressionen zu leiden oder sich gefährdet fühlt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit. In jedem einzelnen Fall muss entschieden werden, welche Hilfemöglichkeiten es gibt und welche Therapieformen sich eignen.

Neben Medikamenten und Psychotherapie kommt dabei auch die Bewegungstherapie in Frage. Der Zusammenhang von Depressionen und Übergewicht zeigt sich auch in der Therapie. Stressmanagement und Verhaltenstraining wirken beiden Problemen entgegen. Und Sport und Bewegung haben gerade bei Übergewichtigen viele positive Effekte: Denn beim Sport werden nicht nur Kalorien verbrannt, sondern auch schlechte Gefühle. Bewegung besonders draußen an der frischen Luft wirkt stressabbauend und steigert das Wohlbefinden. Bei mittelschweren Depressionen ist das so gut wie ein Antidepressivum.

Annette versucht nun mit Entspannungsübungen und Yoga dem Stress im Büro zu entkommen - anstatt zur Schokolade greift sie jetzt zur Gymnastikmatte. Und das geht auch mal im Büro, wenn der Chef gerade wieder für jede Menge Stress gesorgt hat.